Abfindung und Steuern – Rechtsanwalt München


In steuerlicher Hinsicht gilt zunächst, dass Abfindungen der Besteuerungspflicht unterliegen.

Bis zum 31.12.2005 gab es Freibeträge für Abfindungszahlungen. Mit dem “Gesetz zum Einstieg in ein steuerliches Sofortprogramm“ vom 27.12.2005 hat dann allerdings der Gesetzgeber die Vorschrift des § 3 Nr.9 EStG mit Wirkung vom 01.01.2006 ersatzlos abgeschafft und damit die zuvor geltende Steuervergünstigung für Abfindungen.

Für Arbeitsverhältnisse, die nach dem 01.01.2006 gegen Zahlung einer Abfindung beendet worden sind, bzw. werden, gibt es daher keine steuerlichen Begünstigungen von Abfindungen mehr.

Für die Berechnung und Abführung der auf die Abfindung entfallende Lohnsteuer ist der Arbeitgeber zuständig.

Da eine Abfindung das zu versteuernde Einkommen teilweise schlagartig extrem erhöht, hat der Gesetzgeber die sogenannte “Fünftelregelung” eingeführt.

§ 34 Einkommensteuergesetz (EStG) sieht eine Besserstellung für Arbeitnehmer vor, die eine Abfindung bzw. Entschädigung im Sinne des § 24 Nr. 1 a StGB erhalten haben. § 34 I EStG regelt dann die Handhabung dieser Fünftelregelung.

Nach dieser Regelung ist die Abfindung durch fünf zu teilen. Sodann ist in den nächsten fünf Jahren – das Jahr, in dem die Abfindung geflossen ist, eingeschlossen – jeweils eines dieser Fünftel den “regulären” Einkünften hinzuzurechnen.

Da der Steuertarif nicht linear sondern progressiv – die sogenannte Steuerprogression – steigt, hat die Verteilung des zu versteuernden Betrages zur Folge, das der Gesamtsteuerbetrag geringer ausfällt, als wenn die Abfindung nur in einem einzigen Jahr zu versteuern wäre.

Hinzu kommt, dass der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses nicht selten eine längere Periode der Arbeitslosigkeit folgt. Da während dieses Zeitraums die persönlichen Einkünfte gewöhnlich geringer sind als während des zurückliegenden Arbeitsverhältnisses bewirkt die Fünftelregelung eine weitere Steuerersparnis.

Sollte sich der Beendigung jedoch direkt ein neues Arbeitsverhältnis mit entsprechendem – oder sogar höherem – Einkommen anschließen, so kommt es durch die Fünftelregelung nur zu einer geringen Ersparnis, im Einzelfall sogar höherem Steuerbetrag in den nächsten fünf Jahren. In den zuletzt genannten Fällen sollte überlegt werden, ob das Arbeitsverhältnis nicht mit anderen Regelungen – also ohne und / oder mit geringerer Abfindung – aufgelöst werden sollte.